Männer fordern beim Berufseinstieg mehr Gehalt als Frauen – und überschätzen sich

Lesedauer: 2 Minuten

Kürzlich traf ich mich mit einer Freundin. Sie ist jung, ehrgeizig und talentiert. Nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Studium hat sie nun als Festangestellte in einer renommierten Firma angefangen – eigentlich ein optimaler Berufseinstieg. Doch sie war völlig betrübt. Der Grund: Ihr Kollege, der zeitgleich mit ihr dort angefangen hatte, hatte neulich an der Kaffeemaschine beiläufig erwähnt, wie viel er verdiente. Sie hatten den gleichen Jobtitel und vergleichbare Qualifikationen, doch sein Gehalt lag weit über ihrem. Warum der Unterschied?

Eine aktuelle Analyse der internationalen Employer-Branding-Beratung Universum und der Jobplattform StepStone zeigt, dass Studentinnen geringere Erwartungen an ihr Einstiegsgehalt haben, als ihre männlichen Kommilitonen – und dementsprechend auch niedriger in den ersten Job einsteigen. Für die Untersuchung fragte Universum 47.000 Absolvierende nach ihren Gehaltsvorstellungen für den Jobeinstieg. Die Umfrageergebnisse verglich StepStone dann mit den aktuellen Einstiegsgehältern.

Im Durchschnitt liegt das Einstiegsgehalt von Absolvierenden in Deutschland bei 42.500 Euro. Die Gehaltsvorstellungen liegen hingegen höher, bei 44.700 Euro. Frappierend ist aber vor allem, dass Studentinnen rund 9.200 Euro weniger erwarten, als ihre männlichen Kommilitonen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung? Laut Analyse steigen Männer tatsächlich mit rund 5.600 Euro mehr als Frauen in den ersten Job ein. „Die reale Lohnlücke zwischen Frauen und Männern entsteht bei vielen schon mit den Gehaltsvorstellungen bei der Bewerbung für den ersten Job – und diese bleibt häufig dauerhaft bestehen“, sagt Tina Smetana, Country Manager Germany bei Universum. 

Männer neigen laut Stepstone und Universum außerdem dazu, sich bei der Gehaltsvorstellung zu überschätzen. Ihre Gehaltserwartungen liegen etwa 5.000 Euro über der tatsächlichen Vergütung. Laut André Schaefer, Gehaltsexperte bei StepStone, lassen sich diese überzogenen Gehaltsvorstellungen teilweise damit erklären, dass Berufseinsteiger „häufig einfach nicht wissen, welche Gehälter in den unterschiedlichen Branchen und Berufsgruppen üblich sind.“ Mehr Transparenz seitens der Arbeitgeber würde die Lücke gleich zu Beginn verkleinern, so Schaefer.

Mehr Transparenz hätte meiner Freundin sicherlich geholfen. Was ihr aber – und ich vermute, dass es vielen Frauen ähnlich geht – am meisten geholfen hätte, wäre mehr Mut gewesen. Aus Angst, zu fordernd zu wirken, hatte sie kein höheres Gehalt genannt. Jetzt, nachdem ihr Kollege seinen Lohn verraten hatte, bereute sie es. So etwas kann sich durchaus negativ auf den Arbeitsalltag auswirken: Laut einer Studie der Hochschule Ravensburg-Weingarten leiden Menschen, die sich ungerecht bezahlt fühlen, häufiger unter Stresserkrankungen als zufriedene Arbeitnehmer. Mehr Mut in der Gehaltsverhandlung zahlt sich also offenbar nicht nur für den Kontostand aus, sondern auch für die eigene Gesundheit.

Meine Freundin hat sich deshalb vorgenommen: Sie wird es nach der Probezeit nochmal versuchen. Mit einer höheren Summe – vor allem aber mit mehr Selbstbewusstsein.


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